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Die 384 ländlichen Genossenschaften im Genossenschaftsverband Bayern (GVB) haben sich im Geschäftsjahr 2025 insgesamt robust und leistungsfähig gezeigt. Milchgenossenschaften, Raiffeisen‑Warengeschäfte sowie weitere ländliche Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften erzielten zusammen Umsatz‑ und sonstige Erlöse in Höhe von rund 7,4 Milliarden Euro – ein Plus von 7,2 Prozent. Damit unterstreichen sie ihre zentrale Rolle für Wertschöpfung, Versorgungssicherheit und Beschäftigung im ländlichen Raum.
Den größten Beitrag leisteten erneut die 96 Milchgenossenschaften, die 2025 Umsätze von rund 4,3 Milliarden Euro erwirtschafteten – ein Plus von fünf Prozent gegenüber dem Vorjahr. Getragen wurde die Entwicklung vor allem durch höhere Absatzmengen und ein verbessertes Erlösniveau. Einen Großteil des positiven Ergebnisses reichten die Molkereien an ihre Mitgliederbetriebe weiter. „Ähnlich wie in anderen Bereichen sind die genossenschaftlichen Strukturen in der bayerischen Milchwirtschaft ein entscheidender Erfolgsfaktor für deren wirtschaftliche Stärke. Gemeinsam bündeln sie die Kräfte der Einzelbetriebe, stärken deren Marktposition und sichern so bessere Erlöse. Genau das macht sie im ländlichen Raum so unverzichtbar“, betonte Stefan Müller, Präsident des Genossenschaftsverbands Bayern (GVB), am 6. Mai 2026 in München.
Knapp die Hälfte der gesamten bayerischen Milchmenge wird von Genossenschaften erfasst und verarbeitet. Zur Sicherung dieses Erfolgs braucht es verlässliche Rahmenbedingungen und Planungssicherheit. Wiederholte Tierseuchenausbrüche wie zuletzt in Brandenburg zeigen die wachsenden Risiken. In Bayern fehlt bislang ein praxisnahes Konzept für die Milcherfassung im Ernstfall. Die bayerische Milchwirtschaft hat gemeinsam mit dem GVB bereits ein Modell entwickelt, das Hygiene gewährleistet und gleichzeitig den täglichen Abtransport von über 500 Tonnen Milch sicherstellt. Dazu gehört unter anderem eine zentrale Sammlung der Milch mit Umladung an der Zonengrenze, bei der Fahrzeuge in der Restriktionszone bleiben und die Milch kontaktarm weitergegeben wird. „Solche praktikablen Lösungen müssen staatlich priorisiert werden insbesondere, da norddeutsche Bundesländer sie bereits in ihre Präventionsmodelle aufgenommen haben“, forderte Müller.


Während auf Landesebene praktikable Lösungen gefragt sind, wurden auf EU-Ebene entscheidende Weichen gestellt. „Das Ergebnis der Trilog Verhandlungen zur Gemeinsamen Marktordnung (GMO) schafft nationale Gestaltungsräume, die Deutschland nutzen muss“, stellte Müller fest. Die Ausnahme von Genossenschaften vom Artikel 148 sowie der Wegfall von Einmischungen in die Vertragsgestaltung bei Lieferbeziehungen ist ein Bekenntnis zu funktionierenden Marktmechanismen sowie eine Anerkennung der besonderen Rolle von Genossenschaften durch die EU.
Ebenfalls stabil präsentierten sich die Raiffeisen‑Warengeschäfte, die im Geschäftsjahr 2025 Umsatz‑ und sonstige Erlöse von rund 1,52 Milliarden Euro erzielten. Gegenüber dem Vorjahr entspricht dies einem Zuwachs von 2,7 Prozent. Trotz hoher Kosten, volatiler Agrarmärkte und angespannter Logistikbedingungen behauptet sich der Raiffeisen‑Handel damit als verlässlicher Partner für landwirtschaftliche Betriebe und den ländlichen Raum insgesamt. „Nach zwei Jahren massiver Rückgänge aufgrund von Preisverfällen im Agrarsektor und einer schwachen Baukonjunktur erlebt die Branche wieder Umsatzsteigerungen“, resümierte Müller.
Mehrere Trends bewegen den Raiffeisenhandel: Zum einen lagern immer mehr Banken ihr Warengeschäft aus und ermöglichen dadurch weitere Wachstumsschritte. Zum anderen kaufen Raiffeisenhändler zunehmend freie Landhändler auf. „Das zeigt, dass die Händler weiterhin große Potenziale in den regionalen Märkten sehen und in die Zukunft investieren“, sagte Müller.Die sonstigen ländlichen Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften – darunter unter anderem Bezugs‑ und Absatzgenossenschaften, Vieh‑ und Fleischgenossenschaften, Obst‑ und Gemüsegenossenschaften, Trocknungsgenossenschaften sowie weitere Dienstleister – trugen mit rund 1,6 Milliarden Euro Umsatz‑ und sonstigen Erlösen ebenfalls maßgeblich zum Wachstum der Genossenschaften bei, eine Steigerung um 6,6 Prozent. In vielen Bereichen entwickelten sich die Umsätze positiv, getragen durch Nachfrage aus Landwirtschaft, regionaler Verarbeitung und kommunalem Umfeld, während einzelne Sparten weiterhin unter strukturellem Anpassungsdruck stehen.
Zulegen konnten Obst- und Gemüsebetriebe sowie Viehverarbeiter. „Das zeigt, dass heimische und regionale Produkte sehr gefragt sind“, erklärte Müller. Preisverfälle belasten dagegen Unternehmen in den Bereichen Wein, Hopfen, Kartoffeln, Zuckerrüben und Getreide. „Die Preisentwicklung macht den Betrieben das Leben schwer. Sollte der Preisverfall weiter anhalten, ergeben sich dadurch noch nicht absehbare Folgen für die heimische Lebensmittelproduktion“, warnte Müller. „Ländliche Genossenschaften sichern Versorgung, stabilisieren Märkte und halten Wertschöpfung in der Region“, sagt GVB‑Präsident Stefan Müller. „Gerade in wirtschaftlich herausfordernden Zeiten zeigt sich die Stärke des genossenschaftlichen Modells: gemeinsam wirtschaften, Risiken teilen und langfristig denken.“
Gleichzeitig sieht der GVB wachsende Herausforderungen für die ländlichen Genossenschaften. Hohe regulatorische Anforderungen, zunehmende Bürokratie und unsichere politische Rahmenbedingungen erschweren Investitionen und langfristige Planung. Hohe Energiepreise, eine unsichere Versorgungslage, globaler Wettbewerb und sich verändernde Warenströme kommen erschwerend hinzu. „Wer einen starken ländlichen Raum will, muss auch die genossenschaftlichen Strukturen stärken“, betont Müller. „Dazu gehört auch der Erhalt wichtiger marktstützender Maßnahmen wie der Marktstrukturförderung.
Einordnung: Waren- und Dienstleistungsgenossenschaften insgesamt
Die Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften im Genossenschaftsverband Bayern erzielten im Geschäftsjahr 2025 über alle Branchen hinweg Umsatz‑ und sonstige Erlöse von fast 19 Milliarden Euro. Dazu zählen neben den ländlichen Genossenschaften unter anderem Genossenschaften aus den Bereichen Dienstleistung, Handel und Soziales sowie Energiegenossenschaften. Insgesamt zeigen die Zahlen die wirtschaftliche Breite und Stabilität des genossenschaftlichen Sektors – in Stadt und Land gleichermaßen. In einem von strukturellem Wandel, volatilen Märkten und steigenden regulatorischen Anforderungen geprägten Umfeld leisten die Waren‑ und Dienstleistungsgenossenschaften damit einen zentralen Beitrag zur regionalen Wertschöpfung und wirtschaftlichen Resilienz in Bayern.